Die Freiheit, die sie meinen

Erstellt am 27.09.2010 von Saakje.
Kategorien: alles bisherige, Privat, Weltsicht.

Keine Ahnung wie – aber ich habe es auf eine Mailingsliste von rechtsgerichteten Leuten geschafft. Da bekomme ich Mails mit so netten Texten wie „Man kann zu Thilo Sarrazin und seinem Buch stehen wie man will, aber es geht hier nicht nur um die Person Thilo Sarrazin, sondern auch im den Schutz unserer Demokratie und insbesondere um den Schutz der Meinungsfreiheit in unserem Land.

Wie ich verdiene solch einen Unsinn zu erhalten, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Denn niemand hindert diesen Menschen seine Meinung zu sagen. Sie wird sogar veröffentlicht und diskutiert. Seine Meinungsfreiheit war nie eingeschränkt. Niemand hat ihn daran gehindert seine Meinung auszusprechen. Niemand hat die Veröffentlichung seines Buches verhindert.

Und das er berufliche Probleme bekommt … Nun, es gibt nun einmal Berufe, bei denen mit konsequenzen gerechnet werden muss, wenn bestimmte Meinungen vertreten werden. Wenn ein Vorstandsvorsitzender von E.ON plötzlich verkündet, dass Kernkraftwerke schlecht ist und daher alle Kunden zu Lichtblick oder zu den Elektrizitätswerke Schönau (EWS) wechseln sollten – dann würde er nicht mehr lange bei E.ON sein.

Jedenfalls war mir ein Kommentar in der heutigen taz sehr willkommen: Die Freiheit, die sie meinen

Zur Meinungsfreiheit gehört auch nicht das Recht, jeden Job behalten zu dürfen. Es gibt nun einmal ein paar berufliche Stellungen, für die ein besonderes Seriositäts-, Neutralitäts- und Unparteilichkeitsgebot besteht. Jeder, der solche Jobs annimmt, weiß, dass er sich damit die Pflicht zur Zurückhaltung auferlegt. Er kann sich vorher überlegen, ob ihm dieser Job mehr wert ist als die Freiheit, provokant, bissig und verletzend zu argumentieren.

Kritik an einer geäußerten Meinung zu üben, fällt ebenfalls unter Meinjungsfreiheit. Trotzdem heißt es jetzt „Das wird man doch noch sagen dürfen.“ Aber natürlich darf man. Man muss aber nicht. Wenn man es jedoch tut, dann muss man eben auch Kritik ertragen.
Mittlerweile wird das „Recht auf Meinungsfreiheit“ verdammt oft mit dem Recht verwechselt, nicht kritisiert zu werden.

Mehr dazu unter „Die Freiheit, die sie meinen

2 comments.

Mike
Kommentar on September 27th, 2010.

Ich stimme zu. Ich sehe durch die Vorgänge um Sarrazin weder unsere ganz spezielle Form von „Demokratie“, noch unsere Meinungsfreiheit gefährdet: Niemand hindert diesen Mann daran, seine Thesen weiter zu verbreiten.

Sein laienhafter Eklektizismus wissenschaftlicher Studien, mit denen er sich sein rückwärts gewandtes Selbstbild einer genetisch überlegenen Managerrasse zurecht zimmert, spricht viel eher Bände für das Selbstverständnis jenes gehobenen Umfelds, in dem er sich gewohnterweise bewegt.

Der überaus gebildete Mann hat von Anfang an jedes Medium genutzt, das seine kruden Theorien verbreiten wollte, um die Werbetrommel für sein Buch zu rühren. Und wusste als gelehrter Akademiker sehr wohl, worauf er sich einlässt.

Dass der erfolgreiche Ex-Bankier nun gerade von jenen Bevölkerungsschichten als armes Opfer stilisiert wird, gegenüber denen er sich in seinem Buch erbbiologisch überlegen erklärt, ist als besondere Ironie der Causa Sarrazin zu werten.

DiamondDove
Kommentar on Oktober 18th, 2010.

Tja, wie heißt es so schön: Große Macht fordert große Verantwortung. Da muss man für seine Äußerungen nicht nur Kritik einstecken können, sondern auch mit entsprechenden Konsequenzen rechnen, in welcher Form auch immer.

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