Die Erneuerbaren sind ja SO teuer!

Erstellt am 15.10.2012 von Saakje.
Kategorien: alles bisherige, Weltsicht.

(Mal wieder) ein echt lesenswerter Artikel der taz.
Ein Jahr nach Beginn von Energiewende und Atomausstieg sind die 5 Cent für Teile der Industrie, für die Stromwirtschaft, wirtschaftsnahen Medien und Politiker das Preisschild an der Energiewende, das sie gesucht haben. Und das sagt: Alles zu teuer.
Dabei sind in der Umlage Kosten enthalten, die ihre Ursache nicht in der Ökoenergie haben. Der Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) hat berechnet, dass nur 2,3 der insgesamt 5,3 Cent echte Förderkosten sind. Der Rest hat andere Ursachen. Unter anderem können sich Unternehmen von der Umlage befreien lassen. Das führt dazu, dass der Rest – also wir – mehr zahlen darf.
Abgesehen davon ist es schon interessant, wer jetzt alles sein soziales Herz entdeckt. Sogar Philipp Rösler macht sich Sorgen um Geringverdiener? Wer’s glaubt …

Und von meiner Seite noch eine Anmerkung: Es ist ja nicht nur die Umlage teurer geworden. Öl und Kohle werden auch nicht billiger – wie am Benzinpreis zu merken ist.
Und im Strompreis sind ja auch nicht alle echten Kosten der nicht-regenerativen Energien enthalten. Für die Atom-Abfallbeseitigung soll ja derzeit der Staat haften. Können wir ja gut an Asse und Co erleben. Und in Gorleben werden auch Steuergelder verbuddelt.

Aber nicht nur AKWs werden vom Staat subventioniert, andere Kraftwerke ebenso.
Unangefochtener Spitzenreiter bei der staatlichen Förderung ist demnach die Steinkohle, die Vergünstigungen in Höhe von 311 Milliarden Euro erhalten hat, davon knapp 200 Milliarden allein als direkte Finanzhilfen. Die Atomkraft kommt auf 213 Milliarden Euro an staatlicher Förderung, die Braunkohle hat 87 Milliarden erhalten, wobei hier Steuervergünstigungen den Löwenanteil ausmachen. Mit 67 Milliarden Euro haben die Erneuerbaren bislang die geringste Förderung erhalten, was auch auf den bislang noch recht kurzen Förderzeitraum zurückzuführen ist, wie die Studie erklärt. Jedoch werde die EEG-Förderung transparent im Strompreis ausgewiesen, was bei den staatlichen Förderungen für Kohle und Atom nicht der Fall sei.

Ganz extrem wird es dann natürlich bei der Frage der Haftung. Ein AKW-Betreiber muss sein Risiko nur zu einem kleinen Teil selbst tragen – und sich auch kaum versichern. Es gibt eine Deckungsvorsorge von 2,5 Mrd. Euro. Versichert sind max. 256 Mio. EUR. Das mag nach viel klingen. Aber die Kosten von Fukushima belaufen sich jetzt schon auf über 20 Milliarden.
Oder Tschernobyl: Das sowjetische Finanzministerium schätzte die Kosten in der Zeit von 1986 bis 1989 auf etwa 9,2 Milliarden Rubel. Das entsprach etwa 12,6 Milliarden US-Dollar. Und das sind nur die Kosten in der UdSSR. Da sind die Kosten der anderen Länder noch gar nicht enthalten. Und auch heute verursacht Tschernobyl noch Kosten: In der Ukraine entfallen 20 Jahre nach dem Unfall jährlich 5 bis 7 % des Staatsbudgets darauf. 1991 waren es noch 22,3 %, die bis 2002 auf 6,1 % sanken.
Dafür muss hierzulande kein AKW-Betreiber haften. Dafür haftet der Staat. Der Atomstrom wäre unbezahlbar, wenn die Betreiber selbst haften würden.

2 comments.

Anonymous
Kommentar on Oktober 15th, 2012.

Danke für diese interessante Klarstellung,
Papa

Saakje
Kommentar on Oktober 16th, 2012.

Freut mich, dass es Dein Interesse geweckt hat. Es steht zwar öfter in der Zeitung, dass diese Umlage trotzdem sinnvoll ist, aber es steht nur selten dabei, dass andere Energien teilweise deswegen so ‚günstig‘ sind, weil die oft deutlich mehr gefördert wurden (und werden).

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