Ja, Kruzitürken!

Erstellt am 27.04.2010 von Saakje.
Kategorien: alles bisherige, Privat, Weltsicht.

Die taz hat heute mal wieder eine hübsche Überschrift (auf Seite 3): Ja, Kruzitürken!
Die Überschrift auf der Seite 1 ist nur so lange lahm, bis einem das dazu Bild auffällt „CDU begrüßt neue Ministerin“
Klingt total langweilig. Aber abgebildet ist Aygül Özkan vor einem lodernden Feuer. Ich vermute die Assoziation mit dem Fegefeuer ist beabsichtigt. Es könnte natürlich auch jemand an das Feuer der Inquisition denken…

Was mir bei der Debatte aber auffällt ist: Für viele Deutsche ist die Trennung zwischen Kirche und Staat wirklich nicht so ganz erwünscht. Gut, diese Trennung ist nicht ganz vollzogen worden, der Staat zieht immer noch Kirchensteuer ein – und das nur für bestimmte Kirchen. Diese Trennung ist bei uns auch nicht in der Verfassung verankert (in einigen anderen Ländern, darunter Frankreich allerdings sehr wohl).

Was ich aber heute als Argument gehört habe war unter anderem:
Wir leben immer noch in einem christlichen Land.
Ich dachte, wir leben in einem Land mit Religionsfreiheit, in einer Demokratie in der der Staat diese Freiheit zu respektieren hat. In der Verfassung steht: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
Das die Mehrheit der Bevölkerung christlich ist, weiß ich natürlich auch. Allerdings waren 2008 bereits 34% konfessionslos – wie das so schön heißt.

Trotzdem ist für mich gerade die Trennung von Kirche und Staat eine der wichtigsten Errungenschaften der westlichen Welt. Ich möchte nicht gezwungen sein, die Religion des Landesfürsten annehmen zu müssen – so wie früher. Ich jedenfalls erwarte in einer christlichen Schule ein Kreuz. Der Staat aber hat so etwas nicht aufzuhängen.

Die Schüler stören sich doch gar nicht daran. Nur die Eltern, weil die etwas hinein interpretieren. Es hängt dort doch einfach nur so…
Genau, wenn es einfach nur so dahinge, können wir es einfach nur so ja auch zeitweise durch etwas anderes ersetzen. Die Weltkarte an der Wand – die hängt einfach nur so. Die Bilder aus dem letzten Malunterricht – die hängen da einfach nur so. Die werden aber auch öfter mal aufgeräumt oder ausgetauscht. Aber das das Kreuz einfach nur so dahängt, wage ich zu bezweifeln.
Und nur weil sich (angeblich) keiner dadurch gestört wird, lernen die Schüler trotzdem nebenbei etwas: Das nämlich eine bestimmte Religion besser ist als die andere. Eine darf nämlich ihr Zeichen aufhängen, die anderen aber nicht.

Wenn die Leute unbedingt ein Kreuz haben wollen: Warum nicht in jeder Klasse alle Symbole aufhängen – zumindest alle der in der Schule vertretenen Konfessionen. Oder noch besser: Nichts aufhängen. Es sei denn natürlich es handelt sich um eine konfessionelle Schule…

Ach ja, ich wurde übrigens christlich erzogen, ich ging mehrere Jahre auf eine evangelischen Schule. Und das hat mir nicht geschadet. Aber trotzdem hat sich der Staat meiner Meinung nach aus der Religion rauszuhalten – und dementsprechend auch keine religiösen Symbole aufzuhängen…

2 comments.

Kommentar on April 28th, 2010.

Der Staat will nun mal überall mitreden und bestimmen. Auch in Sachen Religion. Ich war als Tochter einer Muslime und eines Ausgetretenen in einer Katholischen Klosterschule um hautnah mitzuerleben was Religion und vor allem Nächstenliebe bedeutet. Solang der nächste, damals ich, Heide ist wird er nicht geliebt, statt dessen in Katholisches Brimborium gezwungen. Meiner Meinung nach sollte Religion jedem Menschen frei überlassen werden. In staatlichen Einrichtungen hat sie nichts zu suchen. Wir leben hier nicht in einem christlichen land. Das Land ist gar nichts, das etwas geographisches religiös sein kann ist mir neu. Und wenn wir Land als Politisches Objekt betrachetn: Politik ist nicht gleich Religion. Daher ist das Lad auch nichts. Ich für meinen Teil lebe in einem Land in dem Menschenrechte und Freiheit groß geschrieben werden. In dem jeder glauben darf was er will und in dem jeder das Recht hat seine Religion auszuüben. Und genau da ist das Problem. Wenn es zur Ausübung der Religion wichtig ist ein Kopftuch zu tragen dann sollte das erlaubt sein. Wenn es zur Ausübung der Religion wichtig ist ein Kreuz aufzuhängen sollte das auch erlaubt sein, (ist es aber nicht) und wenn es zur Ausübung der Religion wichtig ist sich den Fuß blau anzumalen, sollte das auch erlaubt sein. Das Problem ist nur festzustellen was wichtig ist zur Ausübung der Religion. Und da wir und hier auf einem sehr schmalen Grad bewegen, nun mein Vorschlag:
Der Religionsunterricht wird für alle in Ethik geändert. Und alle Weltreligionen (mindestens) und weitere Denkansätze wie Atheismus, oder Agnostizismus werden gelehrt. Das ist ein guter Schritt zu einem guten Miteinander.
Religiöse Symbole verschwinden aus allen staatlichen Einrichtungen. Damit wird Staat und Kirche wieder getrennt. Dazu kommt das die Kirchensteuer abgeschafft wird.
Das „C“ in Parteinamen verschwindet, zur Trennung von Kirche und Staat.
Und zum Thema Integration kann ich nur eines sagen. man integriert niemanden in dem man ihm die eigenen Gedanken und Lebensweisen aufzwängt. Man integriert mit Toleranz und Verständnis. Und schon wird der Einwanderer auch Verständnis und Toleranz zeigen. Zusammen erreicht man mehr als gegeneinander. Wir sollten das Fremde nicht als Bedrohung sehen, sondern als Bereicherung für unser Leben.

Und wenn ich schon dabei bin: Ich fordere die Wiedereinführung von Schuluniformen für Schüler und Lehrer. Damit hat sich die Kleiderfrage erledigt und wir alle werden in der Schule auf ein gleiches Level gestellt. Niemand ist mehr oder weniger wert als der andere und vor allem, keiner ist anders!
Und wenn alle auf der gleichen Ebene sind begegnet man sich gleich ganz anders.

Mike
Kommentar on Mai 10th, 2010.

@“Ich dachte, wir leben in einem Land mit Religionsfreiheit“
Nö, wir leben in einem Land, in dem jeder Nicht-Christ sein befremdliches Treiben gefälligst nur in den eigenen vier Wänden oder aber in Hinterhof-Bretterverschlägen auszuüben hat. Wobei er das natürlich amtlich melden muss, damit der Verfassungsschutz einen Spitzel einschleusen kann. Und wenn in der Welt irgendwelche Verirrten ihre Missetaten wieder einmal mit religiösen Zitaten rechtfertigen, kann man wenigstens schnell ein paar Verdächtige durchs Dorf treiben.

@“Es hängt dort doch einfach nur so“
Rumhängen ist in Deutschland immer noch besser als Abhängen. Wobei, Rumhängen darf natürlich nur, wer Nützliches für die Gesellschaft leistet. Nützlich ist der abgemagerte Rex Iudaeorum zumindest dahingehend, uns allen stetig vor Augen zu führen, was mit Menschen passiert, die selbstgerechten Kirche-Nur-Zu-Weihnachten-Besuchern einfach so den Spiegel vorhalten (siehe Jeremia 7, 4-11). Auch wenn der aufgeklärte Homo Faber in seiner unbedeutenden Lebensphase zwischen Volljährigkeit und Ableben keinen lebendigen Fuss mehr auf kirchlichen Boden kriegt, am Kruzifix allein hängt sein Seelenheil. Zumindest diese edle Tat möchte er sich dereinst vor der goldenen Pforte aufs spärliche Pergament kritzeln lassen können.

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